Der Salmsacher Kurt Jost sammelt Autogramme. Er braucht dafür Spürsinn, ein gutes Auge und manchmal sehr viel Geduld. Besonders angetan haben es dem 50-Jährigen die James Bond-Filme und ihre Darsteller.

Markus Schoch

Salmsach. Kurt Jost weiss, dass es zuweilen lange gehen kann. Vier Jahre wartete er auf ein Autogramm des britischen Physikers und Informatikers Tim Berners-Lee, der den HTML-Code entwickelte und damit als Erfinder des World Wide Web gilt. Auch amerikanische Film- oder Musikstars lassen sich gewöhnlich viel Zeit mit einer Antwort. «Ein Jahr ist nichts Spezielles», sagt der 50-Jährige.

Jost nimmt es gelassen. «Man gewöhnt sich daran.» Und weil er seit längerem monatlich zwischen 30 bis 40 Anfragen los schickt, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass er regelmässig ein Autogramm eines Schauspielers oder Musikers in der Post hat. Die Briefe am Morgen zu öffnen, ist täglich ein spezieller Moment für ihn. Es ist die Chance, dass seine Sammlung mit mittlerweile rund 2000 Autogrammen weiter wächst. Wobei für Jost die Zahl nicht von wesentlicher Bedeutung ist. «Es ist die Qualität, auf die es ankommt, und nicht die Quantität.»

Es begann mit Federer    

Die erste Unterschrift erhielt Jost von Bernhard Russi im Jahr 1972 in Sargans, wo der Urner auf dem Höhepunkt seiner Karriere mit anderen Schweizer Skifahrern im Vilan eine Autogrammstunde gab. Jost war mit der Klasse da. Die signierten Karten des Olympiasiegers machten damals allerdings keinen grossen Eindruck auf ihn. Der damals 8-Jährige  legte sie zu Hause in einen Karton – und vergass sie.

Auf den Autogramm-Geschmack kam Jost erst über 30 Jahre später, und ganz zufällig. Beim Surfen im Internet stiess er auf ein unterschriebenes Poster von Roger Federer, den er bewundert. Jost bot sechs Franken und bekam den Zuschlag. Seither ist es um ihn geschehen. «Mich fasziniert es, etwas Persönliches von jemanden in der Hand zu halten, der mich interessiert.»

Jost begann dort, wo er als Schüler im Rheintal aufgehört hatte: Er bemühte sich um Autogramme von Schweizer Skifahrern. Schon bald schrieb er auch deutsche Sportler und Musiker an. Heute setzt er sich geographisch keine Grenzen mehr. Dafür aber thematisch, um sich nicht zu verzetteln.

Spezialgebiet: Bond-Filme

Seit zwei Jahren liegt der Schwerpunkt seiner Sammlung im Bereich Film. Und da gilt sein besonderes Interesse all denjenigen Personen, die in irgend einer Art mit der James Bond-Reihe zu tun haben. Jost begnügt sich nicht mit den Hauptdarstellern. Er möchte auch von den Stuntmen oder Regisseuren ein signiertes Bild. Denn er kennt sie alle. Auch aus Büchern, von denen er mittlerweile viele besitzt. «Es ist eine halbe Bibliothek», sagt Jost selber.

Die James Bond-Filme haben aus verschiedenen Gründen eine besondere Bedeutung für ihn. Die Vorliebe hat nicht zuletzt mit Nostalgie zu tun. «Der Spion, der mich liebte» war der Spielfilm, bei dem Jost 1977 abends zum ersten Mal im Kino sass.

Die Geschichten um 007 haben es ihm aber vor allem auch deshalb angetan, weil keine andere Filmserie eine längere Laufzeit hat. Und ein Ende ist nicht abzusehen, so dass Jost keine Angst haben muss, plötzlich auf dem Trockenen zu sitzen. «Es läuft immer etwas.» Zudem stimme einfach alles, sagt der Salmsacher: Der Plot, die Schauspieler, selbst die Musik.

Riesiger Markt

Die Stars machen es Jost allerdings nicht immer einfach. Pierce Brosnan beispielsweise, der vier Mal die Rolle des britischen Geheimagenten spielte, verschickt heute bestenfalls noch Drucke. Andere nehmen sich nicht einmal mehr diese Mühe. Zu ihnen gehört Beatles-Schlagzeuger Ringo Star. Und dann gibt es auch solche, die ihre Unterschrift nur noch gegen Bares geben.

Autogramme sind zu einem riesigen Markt geworden. Allein auf E-Bay gibt es gemäss Jost täglich 300 000 neue Angebote. Doch grösste Vorsicht sei geboten. «Schätzungsweise 90 Prozent sind Fälschungen.»

Es braucht Vertrauen

Die Finger weg lassen sollte man gemäss Jost beispielsweise bei Autogrammen von Georg Clooney oder Brad Pitt, weil sie nur noch mit Initialen zeichnen würden, die relativ leicht nachzumachen seien. Wenn Jost Autogramme kauft, dann nur von Händlern, die er kennt und denen er vertraut. Mit ihnen tauscht er auch schon mal blind.

Im Zweifelsfall konsultiert Jost für Vergleichszwecke Datenbanken mit Muster-Autogrammen und misst wenn nötig in stundenlanger Kleinarbeit Buchstabe für Buchstabe aus. Doch letzte Sicherheit hat er auch dann nicht, ist er sich bewusst. «Ich habe mit Bestimmtheit auch Fälschungen in meiner Sammlung», sagt Jost.

Tagelang beschäftigt

Jost versucht darum wenn immer möglich, direkt mit den Stars in Kontakt zu treten, was nicht immer einfach ist. Die Adressen zu finden, beschäftigt ihn manchmal tagelang, so wie im Fall des österreichischen Schauspielers Klaus Maria Brandauer.

Eine grosse Hilfe sind ihm in diesem Zusammenhang die einschlägigen Foren, wo er sich mit anderen Sammlern austauscht. «Ohne das würde es nicht gehen.» Und trotzdem ist es für Jost zuweilen noch immer schwierig, an die richtigen Personen zu gelangen. Nach einem Autogramm des Schweizer Autorennfahrers Jo Siffert suchte Jost zwei Jahre lang, bis er endlich eines fand.

Ausser Reichweite sind für Jost Autogramme von John Wayne, Elvis Presley, Marylin Monroe oder James Dean. «Sie kosten schnell ein paar Tausend Franken, und dann stellt sich vor allem die Frage, ob sie tatsächlich echt sind.»

Diese Zweifel hat er nicht bei seinem vielleicht seltsamsten Autogramm: Demjenigen von Pipilotti Rist auf einer Karte, die sie mit persönlicher Widmung auf dem WC zeigt. «Es gibt nichts, was es nicht gibt», sagt Jost.

Quelle: Thurgauer Tagblatt. Artikel Markus Schoch / Bild Reto Martin